Das Projekt Münster Kaffee will Mut machen“, so steht es in der eigenen, umfangreichen Broschüre „Der Münster Kaffee ist da“. Das Beispiel macht vor allem Mut dazu, sich mit Händlern, Unternehmern und Gruppen der Solidaritäts- und Umweltbewegung an einen Tisch zu setzen, um umweltverträgliche und sozial gerechte Projekte von Anfang an in breiter Trägerschaft zu entwickeln und umzusetzen. Anfang 1997 traf sich das hochkarätig besetzte Fachforum Fairer Handel das erste Mal, ein Jahr später, im Mai 1998 schenkte Entertainer Götz Alsmann der Oberbürgermeisterin Barbara Schlemann die erste Tasse Münster Kaffee ein.
Ziele
Anfänglich wollte man alle öffentlichen bzw. öffentlich geförderten Einrichtungen und Institutionen, sowie möglichst viele private Betriebe, auf fair und ökologisch gehandelte Produkte umstellen. Als erste Produkte sollten Kaffee und Tee eingeführt werden. Bis heute ist es beim Kaffee geblieben, das aber sehr erfolgreich.
Wie ging man vor?
Die Idee, ein Fachforum für den Fairen Handel ins Leben zu rufen, wurde während eines Workshops des Eine-Welt-Forums Münster geboren. Am Fachforum beteiligten sich VertreterInnen von Bäckereien, ein ortsansässiger Röster und die Fair-Handels Vertretung vor Ort, der Geschäftsführer einer Bio-Supermarkt-Kette sowie Mitglieder der lokalen Agenda-Gruppen.
Für die Umsetzung der Idee war die Forderung der Stadt und der Forumsmitglieder wichtig, dass das angestrebte Produkt biologisch angebaut, fair gehandelt und regional verarbeitet sein muss. Der erste Schritt war 1997/98 eine Marktanalyse: Sind in öffentlichen Einrichtungen und Gastronomiebetrieben fair und ökologisch gehandelte Produkte überhaupt bekannt und welche Faktoren verhindern ggf. eine Nutzung?
Die Ergebnisse der Marktstudie wurden in einem zweiten Arbeitsschritt aufgearbeitet und daraus eine Aufklärungs- und Informationskampagne entwickelt. Der dritte Schritt sollte die Marktveränderung bringen. Im Jahr 1999 – ein gutes ¾ Jahr nach dem Ausschank der ersten Tasse, starteten sowohl die Stadt als auch die großen, professionellen wie auch die kleinen engagierten Fair-Handelseinrichtungen eine Kampagne, damit öko-fairer Kaffee bzw. Tee in der Stadt eingeführt wird. Bestandteil ist z. B. eine Selbstverpflichtung für öffentliche Einrichtungen, Restaurants und Cafés, in der diese sich verpflichten, mindestens einen Kaffee bzw. Tee aus Fairem Handel und ökologischem Anbau anzubieten.
Zusammen mit der Verbraucherzentrale wird eine entsprechende Aufklärungskampagne über den Zusammenhang von sozial- und umweltverträglicher Produktion entwickelt. Eine gute Idee blieb bislang, dass die beteiligten Firmen aus dem TransFair-Bereich die Einführung einer gemeinsamen Münster-Handelsmarke für Kaffee und Tee beschließen konnten, welche eine Produktlinie fair und ökologisch gehandelten Kaffees bzw. Tees mit Münster-Emblem anbieten.
Vertriebskonzept
Zunächst dachte und probierte man über die Ebäcko (Einkaufsgemeinschaft der Bäcker) den Vertrieb zu organisieren. Dieses hat jedoch nicht funktioniert. Die meisten Bäcker sind durch ihre Kaffeeshops festgelegt. Andererseits gab es für den Röster doch eine verbesserte Absatzmöglichkeit bei einigen Bäckern. Hauptsächlich durch die am Fachforum Fairen Handel vertretenen Bio-Supermärkte, Eine Weltgruppen, Weltläden, sowie diverse Bäckereien konnte der Vertrieb auf großen Füßen gesichert werden.
Erfolge und Schwierigkeiten
Bei den Treffen des Fachforums stellte sich heraus, dass die Zusammenarbeit mit traditionellen Händlern für die Fair-Handels-Gruppen eher problematisch war. Die Forderung der Eine-Welt-Gruppen, dass zumindest das GEPA Fair Handelshaus den Rohkaffee importiert, führte auch bei dem Röster erst einmal zu Unverständnis. Schlussendlich wurde durch die regionale Verarbeitung sicherlich eine höhere Akzeptanz für den neuen ökofairen Kaffee geschaffen.
An den finanziellen Risiken drohte das Projekt mehrfach zu scheitern. Nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, mit PolitikerInnen und dem Agenda-Büro, aber auch durch politischen Druck durch die Nord-Süd-Initiativen, konnte eine Lösung für die Startfinanzierung gefunden werden. Heute ist der Kaffeeverkauf nach über drei Jahren der Einführung trotz bundesweit sinkender Absatzzahlen beim Kaffee konstant.