Kinderrechte

16

Mai.

Kinderrechte und Fairer Handel!

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention – was der Faire Handel dazu beitragen kann

Kinderrechte gelten für alle Menschen von 0-18 Jahren. Weltweit festgeschrieben sind sie in der UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und von allen Staaten der Erde (außer den USA) ratifiziert worden ist, woraus sich eine universelle Verbindlichkeit der Kinderrechte ableiten lässt. Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes besteht aus insgesamt 54 Artikeln und basiert auf vier Grundprinzipien: dem Diskriminierungsverbot, dem Recht auf Leben und persönliche Entwicklung, dem Beteiligungsrecht und dem Vorrang des Kindeswohls.

Trotz der hohen Ratifizierungsrate werden Kinderrechte tagtäglich missachtet: Längst nicht alle Kinder können zur Schule gehen. Ihnen wird damit nicht nur Bildung, sondern auch die Chance auf eine bessere Zukunft genommen. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gibt es weltweit 152 Millionen arbeitende Kinder zwischen fünf und 17 Jahren. Davon sind 106 Millionen Kinder in der Landwirtschaft beschäftigt. Kinder werden als Kindersoldaten missbraucht, werden durch Kriege zu Waisenkindern und leiden besonders unter Flucht und Vertreibung. Mädchen werden im Vergleich zu Jungen immer noch benachteiligt; sexueller Missbrauch, Vernachlässigung oder Misshandlung sind Realität in nahezu allen Ländern der Welt.

Fairer Handel stärkt Kinderrechte

Der Faire Handel setzt sich für einen gerechten Welthandel ein und hat im Rahmen seiner Standards einen besonderen Blick auf die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der Kleinbauern und ihrer Familien. Der Faire Handel hat ein großes Potential, Kinder zu schützen, ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen und sie z. B. in Kooperativen auch an Prozessen zu beteiligen. Neben Bildung, Gesundheitsfürsorge und dem Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit sind auch die ökologischen Kinderrechte wichtiger Bestandteil im Fairen Handel. Biologischer Anbau, geringer Pestizideinsatz und ein sorgsamer Umgang mit der Natur tragen dazu bei, die Rechte der Kinder auf eine saubere Umwelt und eine gesunde Entwicklung zu fördern. In der im vergangenen Jahr erschienenen Charta für den Fairen Handel wurde das Thema Kinderrechte in einem eigenen Kapitel aufgegriffen.

Darin heißt es: „Der Ausbeutung von Kindern kann nur begegnet werden, indem die Ursachen benannt und die Einhaltung nationaler und internationaler Standards kontrolliert werden. Der Faire Handel setzt sich dafür ein, dass Familien durch ihre Arbeit ein ausreichendes Einkommen erzielen, das den Kindern Bildung und eine ihnen angemessene Entwicklung ermöglicht und leistet dafür entsprechende Bewusstseinsarbeit.

Frauen innerhalb der Fair-Handels- Organisationen sind große unternehmerische Vorbilder für die Jugend. Sie stärken auch das Bewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Wichtig ist die Aufklärung über ihre Rechte in den Kooperativen und bei Handelspartnern sowie Präventionsmaßnahmen, die Kinder vor Missbrauch schützen. Es gibt zahlreiche Beispiele, wie der Faire Handel Kinderrechte schützt. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige ganz unterschiedliche Initiativen vor:

Kinderrechte

Foto: Samabeong

Ganz aktuell haben die Schülerinnen und Schüler der High School in Samabeong in den vergangenen Wochen bei #fridayforfuture mitgemacht – auch sie setzen sich für ihre Rechte ein. Den Teegarten Samabeong in Darjeeling hat die Teefirma Tea Production India (TPI) 1990 gemeinsam mit der GEPA und Naturland als einen der ersten Bio-Teegärten weltweit aufgebaut. Besonders stolz sind die Bewohner auf die Bildungsmöglichkeiten, die sie ihren Kindern bieten können. Denn es war die Entscheidung der Gemeinschaft, die ersten ausgezahlten Prämien nicht für individuelle Anliegen zu verwenden, sondern in Projekte, wie die Schule zu investieren, die sich erst in der Zukunft auszahlen würden. Alle Kinder der Umgebung können sie besuchen und der Schulbesuch ist für die Familien bezahlbar. Ursprünglich eine kleine Grundschule, steht hier jetzt eine „High School“. Diese Schule wurde im April 2015, nach fast 20 Jahren, an die Regierung übergeben. Jetzt ist die Verwaltung der Schule und die Bezahlung der Lehrer Aufgabe des Staates.

Mangos für Kinderrechte

Einen besonderen Fokus auf das Thema „Kinderrechte“ legt seit mehr als 40 Jahren die Preda-Stiftung auf den Philippinen. Der irische Priester Shay Cullen hat sie 1974 gemeinsam mit dem philippinischen Ehepaar Hermoso gegründet. Der Sitz der Stiftung, am Rand der Hafenstadt Olongapo, ist bis heute Anlaufstelle und Therapiezentrum für sexuell missbrauchte sowie ehemalige inhaftierte Kinder. Der Faire Handel mit Mangos hat sich in dieser Situation zu einem wirksamen Instrument gegen Armut und Landflucht entwickelt. Um Kinderprostitution und andere schwere Verstöße gegen die Rechte von Kindern wirkungsvoll bekämpfen zu können, setzt Preda auf ein breites Maßnahmenkonzept. Neben Therapieangeboten, Sozialarbeit, juristischer Verfolgung der Täter, Vorbereitung von Gesetzesinitiativen, Bildungs- und Bewusstseinsarbeit, u.v.m. spielt der Faire Handel mit Mangos in der Prävention eine zentrale Rolle. Um Kinderprostitution als eine Folge extremer Armut zu verhindern, schafft Preda gemeinsam mit den Fairhandelsorganisationen wie dwp und GEPA sowie MISEREOR verbesserte Einkommen auf dem Land.

Fairtrade gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Einer der Arbeitsschwerpunkte bei Fairtrade International ist die Wahrung der Kinderrechte: Ausbeuterische Kinderarbeit ist strikt verboten. Eine begrenzte und altersgerechte Mithilfe, zum Beispiel auf dem Feld nach der Schule, die die Entwicklung und die Gesundheit des Kindes nicht schädigt, ist im Kontext des Fairen Handels erlaubt.

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Foto: Fairtrade International

Beyond the standards

Über diese Standards hinaus gibt es Projekte, die sicherstellen sollen, dass die Produzent*innen die Anforderungen der Fairtrade-Standards einhalten. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenarbeit mit Kinderrechtsexpert*innen: „Wir bauen Partnerschaften mit Expertenorganisationen auf und haben Feedback von Partnern eingeholt und ihre Empfehlungen zur Entwicklung einer rechtsbasierten Strategie und eines Aktionsrahmens zur Beseitigung von Kinderarbeit in wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen erhalten“, heißt es bei Fairtrade International. Darüber hinaus gibt es so genannte Fokusgruppen mit schulpflichtigen Mädchen und Jungen in Fairtrade-Gemeinschaften, um sich über ihre Ausbildung, Arbeit, Zukunftsaspirationen und die Auswirkungen von Fairtrade auf ihr Leben zu informieren - wesentliche Inputs, um den proaktiven Ansatz zur Steigerung des Wohlbefindens von Mädchen und Jungen und jungen Menschen kontinuierlich zu verbessern.

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Neue GEPA-Schokolade des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘ rückt Kinderrechte in den Fokus

„Kinder haben Rechte.“ Diese Botschaft ziert die Verpackung der neuen Vollmilchschokolade, die das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ in Kooperation mit der GEPA herausgebracht hat. Das Motiv für das Deckblatt der neuen Schokolade ist im Rahmen eines Malwettbewerbs entstanden. Mehr als 3.000 phantasievolle und aussagekräftige Bilder wurden eingereicht. Gewonnen hat Lea aus Hürth: „Mir war wichtig zu zeigen, dass Kinderrechte für Kinder auf der ganzen Welt gelten und dass sich die Kinder aktiv und gemeinsam dafür einsetzen. Denn Kinder haben eine Stimme und können etwas bewegen“. Die Schokolade kann von Schulen, Gemeinden und Kindergruppen genutzt werden, um das Thema Kinderrechte in die Öffentlichkeit zu tragen. Dazu bietet sich der Weltkindertag am 20. September an. Aber auch im Rahmen der „Fairen Woche“ oder für eine eigene Kinderrechte-Aktion lässt sich die Schokolade verwenden.

FairTrade Schools sind nah am Thema

Auch Fairtrade Schulen können einen Beitrag zum Thema „Kinderrechte und Fairer Handel“ leisten. Im Blog der Fairtrade Schule Köln schreibt die Janusz-Korczak Grundschule: „Janusz Korczak machte sich besonders für die Kinderrechte stark. Den Fokus setzten wir auf das „Recht auf Bildung“ und den „Schutz vor Ausbeutung“. Als Fairtrade Schule beschäftigten wir uns ausgiebig mit diesen Aspekten. Anhand von Filmen und in Gesprächen tauschten sich die Schüler darüber aus, wie sie Kindern im globalen Süden unterstützen können. Schnell kamen die Schüler in den Stufen 2-4 auf Fairtrade zu sprechen, da ihnen das Thema bereits vertraut ist. Sie sahen den Verkauf von Fairtrade Produkten als eine gute Möglichkeit, Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen.Die Schüler erinnerten sich somit daran, bei den nächsten Einkäufen auf das Fairtrade Siegel zu achten“.

Gundis Jansen-Garz, Petra Schürmann; aus Welt&Handel Ausgabe 3-2019

Kinderrechte zusammengefasst:

Das Recht auf Gleichheit.

Das Recht auf Gesundheit.

Das Recht auf Bildung.

Das Recht auf Beteiligung.

Das Recht auf gesunde Ernährung.

Das Recht auf ein sicheres Zuhause

Das Recht auf Meinungsäußerung, Information und Gehör.

Das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht.

Das Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt.

Das Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe.

Das Recht auf besondere Förderung bei Behinderung.