kaffee

06

Jun.

Mit 100 Dollar können wir nicht leben!

Zur „World of Coffee“: Auch die Kleinproduzent*innenvereinigung SPP schlägt Alarm

Vertreter des Kleinproduzent*innensymbols SPP schlagen anlässlich der „World of Coffee“ vom 6. bis 8. Juni in Berlin Alarm und thematisieren in einer Pressekonferenz am 6. Juni von 14 bis 15.30 Uhr die stark gefallenen Kaffeepreise und die verheerenden Konsequenzen für die Kaffeebäuer*innen.

Ein drastischer Rückgang der Kaffeepreise hat dramatische Folgen für weltweit 25 Millionen Kaffeebäuer*innen und ihre Familien, die verzweifelt versuchen, von ihren Ernten zu überleben. Der aktuelle Marktpreis für Arabica-Kaffee an der New Yorker Börse liegt bei 100 US-Dollar für 100 amerikanische Pfund (ca. 45 kg) gewaschenen Rohkaffee. Auf solch ein niedriges Level waren die Preise zuletzt vor mehr als zehn Jahren gefallen. Deswegen schlagen jetzt mehr als 500.000 Familien kleinbäuerlicher Bio-Produzenten Alarm. Sie gehören ökologischen Erzeugerorganisationen an, die Partner des Kleinproduzenten-Symbols SPP sind. Das Kleinproduzent*innen-Symbol kennzeichnet Produkte, die von kleinbäuerlichen Genossenschaften angebaut und exportiert werden. Es ist eine unabhängige Fair-Trade-Zertifizierung mit hohen kontrollierten Kriterien, wie z. B.: Von den Käufer*innen zu beachtende Mindestpreise, die höher sind als bei anderen Fair-Trade-Labels. Die Verpflichtung, direkt und ausschließlich von Genossenschaften zu kaufen und den SPP-Anteil im Laufe der Zeit zu erhöhen.

Vollständige Rückverfolgbarkeit vom Produzenten bis zum Verbraucher

Mit 100 Dollar können wir nicht leben. Ein derart niedriger Preis macht es unmöglich, Kaffee auf nachhaltige Weise anzubauen und genügend Geld zu verdienen, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. Dieses Preisniveau zerstört das Leben von Millionen von Menschen, die ihr Leben der Qualität dieses Produkts widmen, das zu einem immer höheren Preis an die Verbraucher verkauft wird. Unternehmen, die Kaffee zu Marktpreisen kaufen, machen sich daran mitschuldig, dass Millionen von Kaffeebäuer*innen und ihre Familien die Aussicht auf ein menschenwürdiges Leben verlieren. Das hat auch ökologische Folgen: Es verstärkt den Raubbau an der Natur, den Verlust der Artenvielfalt und die Zunahme des globalen Klimawandels. Tag für Tag verschlechtert sich dadurch die Zukunftsperspektive der Menschen und des ganzen Planeten.

Mit 220 Dollar können wir leben

Für fair gehandelten und biologisch angebauten Arabica-Kaffee, der mit dem Kleinproduzent*innen-Symbol SPP gekennzeichnet ist, gilt immer ein Preis von mindestens 220 US-Dollar pro 100 amerikanischen Pfund. Visionäre Unternehmen haben gezeigt, dass auch mit fairen Mindestpreisen ein erfolgreiches Wachstum möglich ist. ETHIQUABLE ist einer von vielen Lizenznehmern, die weltweit nach den Kriterien von SPP handeln. Für fair gehandelten Bio-Rohkaffee aus Ecuador zahlt ETHIQUABLE seinen dortigen Handelspartner*innen beispielsweise einen Preis von 275 US-Dollar pro 45kg. Die Preisempfehlung für 250g-Röstkaffee liegt bei 4,99 Euro. Mit Hilfe des Fairen Handels waren die Produzent*innen in der Lage, ihre vernachlässigten Kaffeepflanzungen zu erneuern und somit alte Kaffee-Varietäten am Leben zu erhalten. Dadurch erlebt die ganze Region im südlichen Ecuador einen Aufschwung. Gemeinsam haben ETHIQUABLE und die anderen Partner des Kleinproduzent*innensymbols SPP gezeigt, dass es möglich ist, einen Preis von 220 Dollar zu zahlen, um den Kaffeebäuer*innen ein besseres Leben zu ermöglichen und gemeinsam in einer gesünderen Welt zu leben. Als überzeugte Partner des Kleinproduzent*innen-Symbols fordert ETHIQUABLE alle Unternehmen der Kaffeebranche auf, sich die aktuelle Situation bewusst zu machen und zu erkennen, dass ein nachhaltiger Mindestpreis von 220 US-Dollar ein wesentlicher Faktor für einen zukunftsfähigen Kaffee-Anbau ist. Gemeinsam müssen alle Akteure der Branche die Verbraucher*innen und Händler*innen darauf aufmerksam machen, dass die derzeitigen Preise nicht nachhaltig sind. Hunger ist keine Option. Erzwungene Migration ist keine Option. Die Zerstörung unseres Planeten ist keine Option. Aber ein Preis von 220 Dollar ist eine Option – die die Türen zu einer besseren Welt öffnet.

Foto: Kaffeeproduzent*innen in Ruanda auf dem Weg zu ihren Kaffeesträuchern. copy: Gundis Jansen-Garz