Gorilla

24

Sep.

Naturschutz muss Menschen berücksichtigen

Tierärztin kämpft für Ugandas Gorillas - und Kaffeebauern

 

In Ugandas Bwindi-Regenwald kämpft eine Tierärztin um das Überleben von Gorillas. Eine Erkenntnis veränderte ihr Leben: Um die Affen zu retten, musste sie erst den Menschen helfen.


Zerlumpte Hosen, ein Hemd in Fetzen und Tücher: Sie sind stille Wächter über die rot glänzenden Bohnen, die in den Kaffeeplantagen rund um Ugandas Bwindi-Nationalpark wachsen. Wie Vogelscheuchen hängen die Lumpen an hölzernen Kreuzen; dabei sollen sie hier am Rand des Regenwalds ganz andere Tiere fernhalten: Gorillas. Mit Vorliebe verlassen die Menschenaffen an der Grenze zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo den Regenwald. Ob Hunger, Neugier oder beides sie antreibt - jedenfalls kommt es immer wieder zum Konflikt zwischen Tier und Mensch, vor allem, wenn die schwarzgrauen Riesen die Plantagen der lokalen Farmer durchpflügen. Mit Gorillascheuchen hatten Bwindis Kaffeefarmer versucht, die Affen von ihren Sträuchern fernzuhalten. Allerdings: Die Erfindung wirkte etwas zu gut. Statt im Nebelwald zu bleiben, fanden die Tiere den Tod. "Auf der Suche nach Bananen und anderen Früchten steckten sie sich mit der Hautkrankheit Räude an - vermutlich, als sie die ungewaschenen Kleider berührten", sagt Dr. Gladys Kalema-Zikusoka. Die Uganderin studierte Veterinärmedizin in London. 1996 leitete sie ein Team der ugandischen Wildtierbehörde, das der Ursache des mysteriösen Gorillasterbens auf den Grund gehen sollte. Denn: Während Krätze bei Menschen gut behandelbar ist, sterben Affen schnell an der Hauterkrankung. "Untersuchungen haben gezeigt, dass Krätze eine der häufigsten Erkrankungen unter Ugandern mit niedrigem Einkommen ist. Weshalb? Weil die Krankheit in mangelnder Hygiene und gedrängten Lebensbedingungen gründet."

Wo der Kaffee wächstDer 24. September ist Welt-Gorilla-Tag, genau eine Woche später Internationaler Tag des Kaffees. Für Dr. Gladys, wie man sie in Bwindi nennt, liegen die Themen nicht bloß im Kalender nah beieinander: Gorillas und Kaffee bestimmen ihren Alltag, seit sie vor 15 Jahren die Initiative Conservation Through Public Health (Naturschutz durch öffentliche Gesundheit, kurz CTPH) gründete. Die Idee: durch eine verbesserte Gesundheitsversorgung der Kaffeebauern sollten die Gorillas gerettet werden. Nicht zuletzt hatten die todbringenden Gorillascheuchen die Erkenntnis geliefert, dass Mensch und Affe ein einzigartiges Ökosystem im Bwindi-Nationalpark bilden.

Herzstück des Projekts ist der Gorilla Conservation-Kaffee. Für jedes verkaufte Kilo Kaffeebohnen erhalten die Farmer eine Zusatzprämie von 0,5 US-Dollar. Somit liegt der Endpreis um 20 Prozent höher als am traditionellen Markt. Das kleine Extra-Einkommen, gepaart mit nachhaltigeren Landwirtschaftstechniken und einem stabilen Markt hat laut Dr. Gladys dazu beigetragen, dass einige Farmer ihr Einkommen verdoppeln konnten. "Wir verkaufen den Kaffee an bewusste Konsumenten in Uganda, an Touristen, Facharbeiter aus Übersee, in Lodges und am Flughafen." Auch in den USA, Frankreich, der Schweiz und Neuseeland stehe der Gorilla Conservation-Kaffee mittlerweile in den Regalen.


kaffeeUnd der Erfolg? "Der letzte Gorilla starb vor 22 Jahren an Räude. Bei einem erneuten Ausbruch im Jahr 2000 konnte die Gruppe schnell behandelt und so gerettet werden." Verantwortlich ist laut Dr. Gladys der Aufpreis. Zusammen mit regelmäßigen Besuchen von Gesundheitsarbeitern konnte CTPH dadurch die medizinische Versorgung von 85 Farmern und deren Familien verbessern. Im kommenden Jahr will sich die Organisation um 300 Bauernfamilien kümmern. Gladys Kalema-Zikusoka ist Tierärztin, trotzdem sorgt sie sich um das Menschenwohl. Oder gerade deshalb? Vor allem in Afrika herrscht der ewige Konflikt Tier- gegen Menschenschutz. Zwar sehen immer mehr Umweltschützer ein, dass Tiere nicht gerettet werden können, ohne zugleich die Bewohner aus widrigen Lebensumständen zu holen. Einige Organisationen halten jedoch an dem umstrittenen Tierschutzkonzept fest. Das führt oft zur Vertreibung indigener Dorfgemeinschaften oder Farmer von ihrem Erbland. "Solche Organisationen haben nur eine mittelfristige Lösung", ist Dr. Gladys überzeugt.

"Solange Menschen leiden und nicht vom Artenschutz profitieren, werden sie die Natur zerstören. Indem wir ihr Leben verbessern, machen wir sie zu Wächtern über ihre Umwelt."

 

 

Von Markus Schönherr (KNA)