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Mai.

Nicaragua in der Krise

Nicaraguas Bischöfe fordern Einhaltung der Bürgerrechte

Die katholische Kirche in Nicaragua hat von der sandinistischen Regierung des Krisenlandes die Einhaltung der Bürgerrechte gefordert. In einer Botschaft zum Tag der Arbeit verlangten die Bischöfe gut ein Jahr nach dem Beginn der Unruhen einen demokratischen Staat, der die Würde der Menschen achte.

Es dürfe keinerlei Verfolgung und Unterdrückung geben; jeder müsse Rechte und Freiheiten gemäß der Verfassung und dem internationalen Recht genießen, heißt es in dem Schreiben der Nicaraguanischen Bischofskonferenz mit dem Titel "Die österliche Freude: Interpretationsschlüssel für die aktuelle Geschichte des Heimatlands". Die Bischöfe fordern darin angesichts der innenpolitischen Krise ein "vertrauenswürdiges und unabhängiges" Wahlsystem sowie ein Wahlverfahren unter nationaler und internationaler Aufsicht. "Das Volk ist der wahre Herrscher", so die Geistlichen. Zugleich bietet die Kirche erneut Unterstützung bei "jeglicher Art des Dialogs, der in gutem Willen begangen wird". Ein "nationaler Dialog" zur Lösung der Krise war von den Bischöfen bereits nach Ausbruch der Massenproteste im vergangenen Jahr angestoßen, dann aber abgebrochen worden. Auch der von Papst Franziskus in den Vatikan abberufene nicaraguanische Weihbischof Silvio Baez fordert

Neuwahlen als Weg aus der Krise in seinem Heimatland. Die derzeitigen Dialogversuche zwischen dem Regime des linksgerichteten Präsidenten Daniel Ortega und der Opposition seien zwecklos, "denn die Regierung hat nicht den politischen Willen, irgendwelche Konzessionen zu machen", sagte er nach seiner Ankunft am Dienstag in Rom dem spanischen Portal "Vida Nueva". Nicaragua erlebt seit April 2018 eine Krise mit landesweiten Protesten gegen die Regierung Ortega. Seit Beginn kamen rund 350 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Die Kirche kritisierte immer wieder in scharfer Form Menschenrechtsverletzungen der Regierung.

KNA-Meldung vom 2. Mai 2019