25

Feb.

„Viele Tropfen lösen einen Wasserfall aus“

Online-Petition für fair gehandelten Kaffee bei Ikea!

Nachdem sie bereits erfolgreich fair gehandelten Kaffee in die Bahn gebracht hat, will Melanie Weigel aus Berlin das gleiche nun auch bei Ikea durchsetzen! Gundis Jansen-Garz sprach für die FAIR-Handelsgesellschaft mit Melanie Weigel über ihr Engagement:

Frau Weigel, was sind die Beweggründe für die Petition?

Mit 18 Jahren nahm ich an einem Workcamp von Kolping in Ostafrika teil. Dort wurde ich für den Fairen Handel und die Strukturen auf dem Weltmarkt sensibilisiert. Nach meiner Reise konnte ich nicht mehr so weiterleben wie bis her; ich hinterfragte alle möglichen Produkte und Firmen auf Herkunft und Herstellung und stellte mein Denk- und Kaufverhalten um. Da ich zu dieser Zeit oft pendelte, bemerkte ich, dass es in der Bahn nicht nur Kaffee im Bordbistro gibt, sondern dass dieser auch an den Platz gebracht wird. Der Satz „Noch Kaffee gewünscht?“ brannte sich mir allmählich ein. Ich begann damit, in der Bahn immer direkt nachzufragen, was das für Kaffee sei und ob er fair gehandelt sei. Damals war er von Dallmayrs und konventionell gehandelt. Eine Workcampteilnehmerin und ich schrieben Texte mit einem Appell an Unternehmen, faire Produkte einzuführen. Sie schrieb an das Studentenwerk und die Mensa Göttingen und ich an die Deutsche Bahn. Und schon war der erste Text für eine Petition geschaffen. Im Jahr 2012 verteilte ich dann die ersten Listen in Weltläden, um Unterstützer zu finden.

https://www.change.org/p/jesper-brodin-fairtrade-bei-ikea

Warum online Petitionen

Das Petitionsrecht ist ein Grundrecht. Ich finde es ist wichtig Gesicht zu zeigen und mit Petitionen Diskussionen anzuregen oder sogar Veränderungen herbei zu führen. Petitionen helfen Verbündete zu verschiedenen Themen zu finden und sich dann zu vernetzen, um das Ziel zu erreichen. Online Plattformen fand ich immer toll, weil Menschen sich online zusammen tun, um gemeinsam für eine Sache zu kämpfen. Und das alles papierlos und mit einem Klick. Ich tippte also unser Anliegen ein und erstellte eines Nachts im März 2016 meine erste Online-Petition auf change.org. Meiner Meinung nach kann nicht nur der/die Konsument*in allein Verantwortung für Veränderungen auf dem Markt tragen, Verantwortung tragen auch die Firmen und Konzerne, die ihre Rohstoffe aus dem globalen Süden beziehen und die direkten Einfluss auf eine Änderung haben. Es braucht einen Dialog mit ihnen. Ich bin immer noch sehr stolz, dass der faire Kaffee im April 2017 eingeführt wurde. Nach diesem Erfolgserlebnis habe ich Lust bekommen auf demselben Weg Veränderungen anzustoßen und herbei zu führen. So dass ich dieses Medium jetzt ein zweites Mal gewählt habe.

Weshalb Ikea?

Ikea zählt mittlerweile zur sechstgrößten Gastronomiekette Deutschlands. Es gibt Menschen, die ausschließlich zum Frühstück, Mittag oder Abendbrot dort hin pilgern. Scheinbar ist da mittlerweile eine Abspaltung vom Möbelmarkt zur Restaurantkette erkennbar. Da der Kaffee mit Famlily Card gratis ist und sonst lediglich einen Euro kostet und endlos nachgenommen werden kann, hat IKEA einen großen Verbrauch an Kaffee und bietet Anreiz, sich immer mehr und mehr zu nehmen, auch wenn der Durst schon gestillt ist. Da Kaffee, im Gegensatz zu Kallax oder Billy, täglich gekauft wird, sehe ich beim Kaffee besonderen Handlungsbedarf. Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen; pro Kopf und Tag trinkt jeder durchschnittlich einen halben Liter. Da Kaffee nach Rohöl, das auf dem Weltmarkt am meisten gehandelte Produkt ist, sehe ich hier eine besondere Bedeutung.

Wie läuft die Petition an?

Die Petition läuft gut an, ich hab sie am 1. August 2018 gestartet und hatte schon nach etwa einem Monat 20.000 Unterschriften. Es gab ein Interview mit der Zeitschrift Bento, das nochmal für mehr Unterschriften gesorgt hat. Im Moment habe ich 27.230 Unterstützer*innen und arbeite jeden Tag daran, mehr Leute über facebook, instagram, Flyer oder Gespräche zu informieren und zu gewinnen. Darüber hinaus gibt es eine Anfrage vom ZDF sowie ein weiteres Interview mit dem Fairtrade Blog Kisii ist geplant.

Was hat sich nach der erfolgreichen Petition zur Bahn AG für verändert? Bist du zufrieden, wie das gelaufen ist?

Ja, verändert hat sich, dass ich und alle anderen jetzt in der Bahn bedenkenlos fairen Kaffee, Tee und Trinkschokolade sogar im selbst mitgebrachten Becher genießen können. Ich habe gelernt, dass Veränderung möglich ist. Viele Tropfen ergeben auch einen Wasserfall. Petitionen sind eine gute Möglichkeit, um sich Gehör zu verschaffen, Verbündete zu finden und gemeinsam für eine Sache einzustehen. Es war ein steiniger Weg, aber ich würde sagen, dass die mehr als 70.000 Menschen und ich diese Steine beiseite geräumt und etwas Schönes daraus gebaut haben. Das hat Goethe schon gesagt. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und auf dem Weg dahin habe ich viele Herausforderungen angenommen, die mich zu dem Menschen machen, der ich jetzt bin. Übrigens: Der Einfluss meiner Petition auf die Entscheidung wird von Seiten der Bahn bis heute nicht zugegeben...

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Zur Petition:

https://www.change.org/p/jesper-brodin-fairtrade-bei-ikea