Klimapilgern2019

17

Jun.

"Der Mensch ist mehr als produzieren und konsumieren"

  1. Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit in Münster gestartet

Mit einem Pilgerzug durch Münster und einem Gottesdienst in der Trinitatiskirche im Geistviertel startete gestern (Sonntag, 14. Juni) der 4. Ökumenische Pilgerweg, der zum Kirchentag nach Dortmund und weiter nach Bonn zur Übergabe einer Resolution führt. Pfarrer Martin Mustroph bestärkte die mehr als 30 Pilgerinnen und Pilger, in ihrem Kampf für Klimagerechtigkeit. Er warnte in seiner Predigt aber auch vor falschen Hoffnungen: „Wenn wir so tun, als hätten wir unendlich viel Zeit, dann ist das eine billige Hoffnung.“

Er forderte zum umgehenden Umdenken auf: „Wir brauchen eine Ethik der Bescheidenheit. Wir brauchen den Wechsel im Tun und Ruh'n. Gott will nicht, dass Shoppen zu unserem Lebensinhalt wird. Der Mensch ist mehr als produzieren und konsumieren.“

Die erste Tagesetappe führte über rund 22 km nach Rinkerode. Dabei liefen auch zwei Lamas in Begleitung von Pfarrerin Ulrike Schaich mit, die die Lamas als Klimabotschafter schon mehrfach auf dem Klimapilgerweg mitgenommen hat. Sie dienen als „Türöffner“ der Herzen von Passanten und es ergeben sich schnell Gespräche über die dringenden Anliegen der Klimapilger/innen. Unterwegs besuchten die Klimapilger die NABU-Station und den Wald-Klima-Lehrpfad „Hohe Ward“. Hier informierte Marius Germies über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Münsterländer Wald, wie zum Beispiel das vermehrte Auftreten der Eichenprozessionsspinner. In Rinkerode übernachten die Pilger im Pfarrzentrum Rinkerode mit Schlafsack und Isomatte. Für ein herzliches Willkommen und sehr reichliche Verpflegung sorgte der Heimatverein Rinkerode.

Der Pilgerweg führt über insgesamt zwölf Tagesetappen zunächst zum Evangelischen Kirchentag in Dortmund (Ankunft Mittwoch, 19.6. nachmittags) und dann weiter nach Bonn. Dort wollen die Klimapilger/innen am 1. Juli (Montag) ihre Forderungen in Form einer Resolution an Bundesumweltministerin Svenja Schulze übergeben.

Der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit führte 2018 von Bonn zur Welt-Klimakonferenz nach Katowice und wurde unterstützt von einem breiten ökumenischen Bündnis aus 40 Organisationen, Initiativen und Unternehmen, darunter Brot für die Welt, das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR e.V., die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz und das Kindermissionswerk ,Die Sternsinger.

Münster wurde als Ort des Deutschen Katholikentages 2018 als besonders symbolischer Startort gewählt - so verdeutlicht der Weg zum ev. Kirchentag in Dortmund den konsequenten ökumenischen Anspruch des Weges.

Stimmen, Zitate und Fürsprachen zum Klimapilgerweg:

Erzbischof Hans-Josef Becker (Erzbistum Paderborn): "Der Ökumenische Pilgerweg ist eine Anregung, sich mit der Verantwortung für die Schöpfung auseinander zu setzen und durch eigenes Handeln zur Begrenzung der Klimaveränderung beizutragen.

Bischof Dr. Dr. h.c. Markus Dröge (Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz): "Der Klimawandel wird sich nur aufhalten lassen, wenn wir auf eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen achten, regional und weltweit."

Erzbischof Dr. Ludwig Schick: "Wir dürfen die Gaben der Erde nachhaltig nutzen, aber sie nicht verbrauchen. Gott hat sie für alle Menschen aller Generationen gegeben."

Wolfgang Löbnitz Pilger, Mitglied der Pilgerbasis: "Das Wichtigste am Klimapilgerweg sind die Begegnungen am Wegesrand. Sie zeigen, dass die Menschen in ihrem Denken und Handeln zum Klima schon viel weiter und verantwortungsvoller sind, als die Politiker denken. Es wird Zeit, dass die Politiker was tun für eine enkelgerechte Welt!"

Jens Knölker, Pilger, Mitglied der Pilgerbasis: "Ich wünsche mir eine gerechtere Welt. Denn nur eine gerechte Welt, kann eine friedliche Welt sein. Gerechtigkeit bedeutet auch Gerechtigkeit für die Menschen in anderen Ländern, die nicht unseren Wohlstand teilen aber von den Folgen unseres oft sorglosen und verschwenderischen Lebensstils betroffen sind, sowie unseren Nachkommen gegenüber, die sich nicht dagegen wehren können, was wir ihnen hinterlassen.

Einladung zum Mitpilgern

Jede/r, die/der die Ziele des Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit unterstützen möchte, ist herzlich zum Mitpilgern eingeladen - egal ob es nur eine kurze Strecke oder ganze Tagesetappen sind. Die Pilgergruppe besteht sowohl aus einer festen Gruppe von Langzeitpilgern als auch wechselnden Tagespilgern. Die Pilger besuchen neben den "Schmerzpunkten" auch "Kraftorte" der Klimagerechtigkeit auf dem Weg und kommen mit evangelischen und katholischen Gemeinden und Initiativen vor Ort ins Gespräch. Sie feiern gemeinsam ökumenische Andachten und tanken Kraft im Gebet.

Forderungen und Resolution

Unterwegs sammeln die Klimapilger Unterschriften für ihre Resolution, mit der sie ihre Forderungen verdeutlichen. Die Resolution soll offiziell vom Kirchentag in Dortmund verabschiedet werden. Darin fordern die Pilger/innen u. a. die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes bis Jahresende, die Abschaltung von mindestens 50 Prozent aller Kohlekraftwerke bis 2025 und den sozial verträglichen Abbau aller umwelt- und klimaschädlichen Subventionen.

Etappen

So, 16.06. Münster - Rinkerode

Mo, 17.06. Rinkerode - Herbern

Di, 18.06. Herbern - Lünen

Mi, 19.06. Lünen - Dortmund

Do, 20.06. DEKT 2019, Dortmund

Fr, 21.06. DEKT 2019, Dortmund

Sa, 22.06. DEKT 2019, Dortmund

So, 23.06. DEKT 2019, Dortmund - Herdecke Mo, 24.06. Herdecke - Gevelsberg Di, 25.06. Gevelsberg - Lennep Mi, 26.06. Lennep - Dabringhausen Do, 27.06. Dabringhausen - Köln-Dünnwald Fr, 28.06. Köln-Dünnwald - Köln-Müngersdorf Sa, 29.06. Köln-Müngersdorf - Brühl-Badorf So, 30.06. Brühl-Badorf - Bonn

Pressefotos: © Pilgerweg für Klimagerechtigkeit