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17

Apr.

Die Achtung vor dem Anderen wahren

Bedford-Strom: In der Corona-Krise sei die Stärke der Demokratie zu erleben

München (KNA) Der Druck der derzeitigen Situation hat nach den Worten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, für eine Verringerung ideologischer Grabenkämpfe in der Politik gesorgt. "Und ich hoffe, dass wir uns daran erinnern, um bei allem notwendigen Streit - auch über Verteilungsfragen - die Achtung vor dem Anderen wahren", sagte der bayerische Landesbischof der "Süddeutschen Zeitung" (Ostern).

Aktuell mache man die Erfahrung, "dass wir uns jetzt nicht zerfleischen. Sondern dass Menschen ganz unterschiedlicher parteipolitischer Zugehörigkeit gut zusammenarbeiten". In der Corona-Krise sei die Stärke der Demokratie zu erleben, sagte Bedford-Strohm. Denn Menschentrügen Regeln, die extreme Einschnitte bedeuteten, die ihnen die politischen Verantwortlichen aber erklärt hätten, mit großer Zustimmung mit. "Und zwar nicht aus Zwang und nicht nur aus Angst vor Sanktionen, sondern in einer breiten inneren Übereinstimmung." Etwas Besseres könne sich eine Demokratieeigentlich nicht wünschen. Wenn manche Menschen jedoch sagten, dies sei Konformismus, dann erwidere er: "Man muss sehr genau schauen, an welchen Stellen man Kritik übt. Zu diesen Regeln sage ich Ja, weil wir damit Menschenleben retten können." Allerdings erhebe er klaren Widerspruch dagegen, dass die Flüchtlingskinder von den griechischen Inseln noch immer nicht ausgeflogen worden seien, mahnte der EKD-Ratsvorsitzende. Bedford-Strohm forderte die Politik auf, wenigstens die bereits getroffene Zusage, 1.500 Jugendliche und Kinder aus dem Lager auf Lesbos auszufliegen, einzulösen, bevor dort eine humanitäre Katastrophe aufgrund des Virus ausbreche. Zugleich dürfe nicht das Schicksal jener Menschen ausgeblendet werden, die wegen der extremschlechten Hygienebedingungen in den Slums der Welt vor dem Nichts stünden, sagte der Landesbischof. "Wir müssen nachdenken, wie wir verhindern, dass durch dieses Virus die Länder, die dabei sind, sich zu entwickeln, um Jahrzehnte zurückgeworfen werden." Die Kirchen sähen sich als eine weltweite Gemeinschaft: "Ich kann nicht nach Tansania gehen, in unserer dortigen Partnerkirche die Predigt mit den Worten 'Liebe Schwestern und Brüder' beginnen, und dann nach Deutschland kommen und ihre Notwieder vergessen." Der universale Horizont gehöre zur kirchlichen DNA, und ihn gelte es, in die politische Diskussion einzubringen.