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15

Apr.

„Es droht eine Katastrophe“

Kirchenvertreter: 50 Flüchtlingskinder sind viel zu wenig

Bonn (KNA). In der Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland werfen Kirchenvertreter der Bundesregierung und den EU-Partnern mangelnde Humanität vor. "Das ist beschämend und eine Folge rechtspopulistischen Gedankenguts in Europa", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, der "Passauer Neuen Presse", nachdem sich Deutschland zunächst nur bereit erklärt hatte, 50 Kinder aufzunehmen.

"Wir müssen zeigen, dass Humanität in Europa keine Dekoration ist, sondern zu seinen Grundpfeilern gehört. Das gilt für alle Europäer", sagte er. "Es ist erschreckend, dass die Regierungen von Polen, Tschechien und Ungarn eine Haltung zeigen, die nicht nur unsolidarisch ist, sondern jedem christlichen Denken widerspricht", erklärte Sternberg. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte ebenso ein stärkeres Engagement der Regierung. "Wir bemühen uns seit Wochen darum, dass Deutschland und Europa endlich Solidarität zeigen und eine humanitäre Katastrophe abgewendet wird. Wenn sich das Coronavirus in dem völlig überfüllten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ausbreitet, hätte das dramatische Folgen. "Es müssten zumindest die 1.500 Kinder und Jugendlichen sofort ausgeflogen werden, deren Aufnahme die Bundesregierung bereits beschlossen habe, so Bedford-Strohm in der "Rhein-Neckar-Zeitung". "Es muss Schluss sein damit, die Verantwortung in Europa hin- und herzuschieben. Deutschland sollte vorankommen." Es sei zwar ein richtiger Schritt, dass jetzt 50 Kinder kommen könnten. "Aber es ist viel zu wenig." Es müssten weitere folgen. Griechenland brauche Solidarität und Unterstützung. Das komplette Flüchtlingslager Moria müsse evakuiert werden, forderte Bedford-Strohm. "Es droht in den Flüchtlingslagern durch das Virus eine Katastrophe. Griechenland braucht daher alle unsere Solidarität und Unterstützung." Die Lager auf den ägäischen Inseln müssten umgehend evakuiert und die Menschen in Europa verteilt werden.

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