Offene Grenzen und offene Arme für Geflüchtete

12

Apr.

Keine Geflüchtete erster und zweiter Klasse

Die SOS-Kinderdörfer fordern eine Gleichbehandlung aller Menschen, die vor dem Kriegaus der Ukraine fliehen. "Es kann nicht sein, dass wir hier Unterschiede machen und Geflüchtete in die erste und zweite Klasse einteilen", sagte Lanna Idriss vom Vorstand der Hilfsorganisation am Sonntag nach einem Besuch vor Ort: "Mit Entsetzen musste ich beobachten, wie sowohl an der deutschen als auch an der polnischen Grenze Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund ihrer Herkunft oder sexuellen Orientierung diskriminiert wurden. Das ist untragbar!"

Die Berichte über Diskriminierungen häuften sich und würden von vielen Seiten bestätigt. So seien etwa
Menschen mit dunkler Hautfarbe an der Ausreise aus der Ukraine gehindert worden oder es sei ihnen die für Geflüchtete kostenlose Bahnfahrt von Polen nach Deutschland verweigert worden.

Seit Ausbruch des Krieges, so Idriss weiter, seien nach UN-Schätzungen etwa 210.000 Drittstaaten-Angehörige aus der Ukraine geflohen, darunter auch zahlreiche internationale Studierende. Diese kämen vor allem aus Indien (23,6 Prozent), Marokko (11,5), Turkmenistan (7), Aserbaidschan (6) und Nigeria(5). Auch ukrainische Angehörige der Roma bekämen vielerorts Ressentiments zu spüren, berichtete Idriss. Einigen sei zum Beispiel der Zugang zu Notunterkünften verwehrt worden. Auf der anderen Seite würden auch russischsprachige Menschen in vielen Ländern aktuell pauschal verurteilt und angefeindet, fügte Idrisshinzu: "Das muss sofort aufhören! Jeder Mensch in Not muss die Hilfe bekommen, die ihm zusteht, egal, welche Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung oder Herkunft er hat. Rassismus und Diskriminierung
haben hier keinen Platz."

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen derzeit nach eigenen Angaben vor allem Kinder, junge Erwachseneund Familien aus der Ukraine, unabhängig von ihrem Hintergrund. Darunter seien auch geflüchtete Studierende aus Drittstaaten. Zum Beispiel stehe die Hilfsorganisation in Rumänien Studierenden aus Nigeria zur Seite. Auch in der Ukraine selbst, ihren Anrainerstaaten, sowie weiteren europäischen Ländernerhielten schutzbedürftige Menschen - unabhängig von ihrer Nationalität, Identität oder Hautfarbe - Unterkunft, Betreuung, finanzielle und psychologische Hilfe.