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Apr.

Kirchen und nachhaltige Mobilität

Carsharing und E-Autos wären ein Anfang

Von Karin Wollschläger (KNA)Immer häufiger denken inzwischen Menschen darüber nach, ob sie tatsächlich noch ein eigenes Auto brauchen. Wie halten es eigentlich die Kirchen damit? Das Thema nachhaltige Mobilität ist auch dort auf dem Vormarsch.

Umweltschutz war bei den Kirchen eigentlich schon lange vor Greta Thunberg ein Thema. Nur heißt es da Bewahrung der Schöpfung, was nicht ganz so sexy und eher sperrig klingt. Nun dürften zahlreiche kirchliche Initiativen in dem Bereich, häufig auf Gemeindeebene, zweifelsohne von dem Greta-Hype profitieren und mehr Gehör für ihre Anliegen finden. Außerdem haben sie in Papst Franziskus einen Gewährsmann gefunden. Mit der Enzyklika Laudato si widmete er 2015 dem Umweltschutz ein eigenes päpstliches Lehrschreiben. Im vergangenen November plädierte das Kirchenoberhaupt sogar dafür, Umweltsünde in den Katechismus, das Lehrbuch der katholischen Kirche, aufzunehmen. Um dem Klimawandel entgegenzutreten, gibt es viele Stellschrauben. Auf ein eigenes Auto zu verzichten und mehr den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, ist eine. Doch ist das für Seelsorger in Zeiten von immer größeren Pfarreigebieten überhaupt machbar? "Ja, ist es", sagt Bertram Wolf. Der katholische Pfarrer leitet im thüringischen Gera die große Innenstadt-Pfarrei Sankt Elisabeth mit diversen Filialgemeinden im Umland - ganz ohne eigenes Auto. Stattdessen teilen sich Wolf und seine Mitarbeitermit anderen Nutzern einen roten Wagen des Carsharing-Anbieters teilAuto. "Wir haben acht Gemeinden zwischen Ronneburg und Kahla zu betreuen. Und sobald der Gottesdienstplan erstellt ist, buche ich per App die Fahrten mit dem Auto", berichtet der Pfarrer. Das Ganze funktioniere auch kurzfristig gut, etwa wenn er zu einem Sterbefall gerufen werde. Ein Rahmenvertrag wird gerade mit teilAuto ausgehandelt, er würde Wolf und seinem Team nicht nur günstigere Konditionen für die Fahrten ermöglichen, sondern auch, dass Ehrenamtliche das Carsharing-Auto nutzen können, wenn sie für die Pfarrei unterwegs sind.

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Außerdem hat Wolf einen Platz auf dem Pfarrparkplatz der Elisabethkirche als Stellplatz an teilAuto vermietet. "Das ist eine win-win-Situation, denn das Carsharing-Unternehmen braucht öffentliche Stellflächen, und wir bekommen etwas Miete dafür." Seiner Einschätzung nach wäre das Modell für vielmehr Pfarrgemeinden geeignet. "Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema engagierter auch auf Bistumsebene vorangetrieben würde. Da ist noch viel Luft nach oben", so Wolf, dessen Pfarrei zum Bistum Dresden-Meißen gehört. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist man da schon ein bisschen weiter. So entwickelt die Landeskirche in Zusammenarbeit mit dem Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt ein Konzept zur Einführung von Elektrofahrzeugen in den Dienst der Kirche. Vier Pilot-Projekte mit unterschiedlichen Nutzungsmustern, eingebunden ist beispielsweise auch ein mobiler Pflegedienst, laufen dazu derzeit in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Der EKM-Personaldezernent, Oberkirchenrat Michael Lehmann, erläutert: "Unsere Pfarrer haben immer größere Dienstgebiete und müssen weite Streckenzurücklegen - uns als Landeskirche kann nicht egal sein, wie umweltbewusst sie das tun. Auch darum wollen wir in Sachen nachhaltige Mobilität Verantwortung übernehmen." Klimaschutzmanager*in oder Umweltmanager*in beraten inzwischen in immer mehr Landeskirchen und Bistümern zu dem Thema und haben teils sogar eigene Webseiten dazu geschaltet, wie die Nordkirche unter www.kirche-fuer-klima.de oder das katholische Erzbistum Freiburg, das bis zum Jahr2030 als erste Diözese in Deutschland klimaneutral sein will, gemeinsam mit der Evangelischen Landeskirche in Baden unter www.meine-klimakirche.de.Das katholische Bistum Rottenburg-Stuttgart strebt eine Reduzierung seiner CO2-Emissionen im Bereich Mobilität um 20 Prozent bis 2025 an. Dazu hat es im vergangenen Dezember das Förderprogramm "Elektro-Mobilität (E-Mobi!)" ins Leben gerufen. Finanziell unterstützt werden kirchliche Institutionen unteranderem bei Beratung und Kauf von e-Ladestationen sowie beim Kauf von elektrounterstützten Diensträdern. "Noch ist die Nachfrage gering, aber unter anderem Sozialstationen haben schon Anträge für Pedelecs sowie Ladestation-Beratung gestellt", so Klimaschutzmanager Christian Peter Brandstetter. Auf E-Mobilität setzt übrigens auch der Vatikan: Seit vergangenem Sommer gibt es dort 20 Ladestationen für Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge.