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Jul.

Menschenrechte gehen vor

Debatte über Sponsorenverhandlungen des DFB mit Qatar AirwaysBerlin

Berichte über eine mögliche enge Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der staatlichen Airline Qatar Airways haben heftige Kritik hervorgerufen. Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien forderten den Verband auf, Gespräche mit Blick auf die Menschenrechtslage in Katar sofort zu beenden.

Der SPD-Innenpolitiker und niedersächsische Sportminister Boris Pistorius bezeichnete es gegenüber der "Welt" (Montag) als "beschämend", dass "ein angeblich gemeinnütziger Verein wie der DFB, der die Nationalmannschaft für Human Rights Position beziehen lässt, mit derart fragwürdigen Sponsorenverhandelt". Der Verband habe "offensichtlich völlig den Kompass verloren und manövriert sich auf direktem Weg ins gesellschaftliche Abseits", so Pistorius, der einen möglichen Vertragsabschluss für "ein verheerendes Signal für den deutschen Fußball insgesamt" hält.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thorsten Frei sagte: "Sollte der DFB tatsächlich darüber verhandeln, sich von der Staatsfluglinie Qatar Airways sponsern zu lassen, muss sich der Verband entscheiden: Entweder ist der DFB weiter ein glaubwürdiger Kämpfer für Menschenrechte, Weltoffenheit und Toleranz, oder er bindet sich und sein Wertesystem aus finanziellen Gründen an den Staat Katar."

Die dem Abschluss eines Sponsorenvertrags unweigerlich folgende Debatte "wäre eine schwere Belastung für die Nationalmannschaft bei der kommenden Weltmeisterschaft," so Frei. Auch Vertreter von Grünen, Linkspartei und AfD kritisierten den Verband. Von einem "völlig falschen Signal an die Herrschenden in Katar", sprach der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Andre Hahn.

Auch Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hatte dem Fußballverband nahegelegt, keine weiteren Gespräche mit Qatar Airways zu führen. Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag Gyde Jensen (FDP) wies darauf hin, dass "Bekenntnisse des DFB - und natürlich auch der Nationalmannschaft - zu den Menschenrechten hinfällig" seien, sollte der DFB einen Vertrag mit Qatar Airways schließen.

"Wer sich finanziell vom Staatskonzern eines solchen Landes abhängig macht, das vor allem für seine desolate Menschenrechtslage bekannt ist, der handelt unverantwortlich", so Jensen.

Quelle: KNA_Meldung vom 11.07.2021

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