Bananen

22

Jan.

Nahrung muss uns mehr wert sein!

„Supergeil ist super unmoralisch“: Entwicklungsminister attackiert Einzelhandel wegen Geizkampagnen

Osnabrück (KNA) Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat deutschen Einzelhandelsketten unmoralische Geizkampagnen vorgeworfen. "2,88 Euro für 500 Gramm Kaffee, das ist auf Dauer nur durch Ausbeutung der Erzeuger möglich. ,Supergeil' ist dann nur noch superdreist und super unmoralisch", sagte Müller mit Blick auf eine aktuelle Edeka-Kampagne der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Hintergrund der Kritik: Sieben Einzelhandelskonzerne, darunter Aldi, Edeka und Rewe, wollen am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin im Beisein Müllers eine Selbstverpflichtung unterschreiben, mit der sie Erzeugern existenzsichernde Preise für Mangos, Bananen oder Kaffee garantieren. Damit sollen sie Verantwortung für faire Lieferketten übernehmen. Das sei zwar "ein wichtiger Schritt", sagte Müller der NOZ, fügte aber hinzu: "Die Kampfpreise, mit denen mancher Lebensmittelhändler in diesen Tagen wirbt, lassen mich am Problembewusstsein zweifeln." Und weiter: "Für eine Schauveranstaltung bin ich nicht zu haben". Um Lieferketten "auf eine wirklich faire Grundlage" zu stellen, wolle er deshalb mit dem Einzelhandel "eine Mindestpreisschwelle beim Einkauf von Bananen in Ecuador oder Kakao in Ghana" vereinbaren. Zusätzlich müsse "die Beweiskette umgedreht werden: Wer mit Dumping-Angeboten lockt und Bananen für 88 Cent oder ein Pfund Kaffee für 2,88 Euro verkauft, wird dem Kunden künftig beweisen müssen, dass da keine Kinderarbeit drinsteckt", hob Müller hervor.

Regenwaldrohdung für Kakaoanbau?!

"Geizhandel" führe zu Verarmung, weil den Entwicklungsländern so Milliarden an Wertschöpfung entzogen würden. Für Landwirte in den Entwicklungsländern sei die Lage "um ein Vielfaches dramatischer" als für Deutschlands Bauern, ergänzte der Minister. Die Produzenten erhielten 50 Cent für ein Pfund Kaffeebohnen, 14 Cent für ein Kilo Bananen oder 7 Cent für eine Tafel Schokolade.

Kakao

"Die Folge ist klar: Für die Billigbananen bei uns werden dort Sklavenlöhne gezahlt, so dass dort Kinder arbeiten müssen, damit die Familien überleben." Hinweise, in anderen EU-Ländern sei es nicht anders als in Deutschland, wies der Minister zurück. "Nirgendwo in Europa findet so ein extremer Preiskampf bei Lebensmitteln statt wie in Deutschland. Unsere Nahrung muss uns etwas wert sein.“