Klima

09

Jan.

Polarforscher zum Klimawandel:

Alles hängt mit allem zusammen

KNA-Meldung vom 3. Januar: Arved Fuchs (66), Deutschlands bekanntester Polarforscher, hat einen nüchternen Blick auf seine Umwelt. "Eins will ich mal klarstellen: Der Nordpol ist absolut nicht sehenswert. Das ist ein reinrechnerischer Punkt, ein zugefrorener Ozean", sagte Fuchs der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Der einstige Abenteurer, der als einer der Ersten mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert wurde, sieht das Auftauen von gewissen Gegenden mit Sorge.

Es gehe nicht darum, dass es ein bisschen wärmer werde: "Alles hängt ja mit allem zusammen. Wir werden immer mehr Menschen, die immer mehr Lebensraum brauchen - aber den schmelzen wir immer weiter zusammen. "Die Migrationsproblematik und die Flüchtlinge im Mittelmeer könnten nicht isoliert betrachtet werden, erklärte Fuchs. All diese Konflikte hingen mit einer veränderten Umwelt zusammen. Er habe einen Großteilseines Lebens in der Natur verbracht. Irgendwann habe er gemerkt, dass er nicht einfach nur nach Hause kommen könne mit schönen Bildern und bunten Filmchen. "Ich sehe mich als Zeitzeugen." Es gebe nicht viele Leute, die so eine profunde Kenntnis dieser Regionen hätten. Deshalb fühle er sich in der Pflicht, darüber zu berichten.

Mittlerweile lade er junge Wissenschaftler auf sein Schiff ein, damit sie Feldforschung betreiben könnten, so der Polarexperte. Von dort aus könnten sie mit speziellen Drohnen die Fließgeschwindigkeit von Gletschern ermitteln oder ganz klassisch Eisbohrkerne entnehmen. Außerdem führt Fuchs ein Plastiktagebuch. Man können hinkommen, wo man wolle, sagte er: An allen Küsten sei ein Spülsaum an Plastik. Selbst auf Grönland, auf unbewohnten Inseln im Atlantik und auf Spitzbergen. Auf die Frage, ob er bei seinen Expeditionen schon mal Todesangst verspürt habe, sagte Fuchs: „Ich habe oft Todesangst, aber die habe ich auch auf der Autobahn.“ Man wisse in solchen Situationen, jetzt dürfe nichts passieren, sonst sei es das gewesen. Dann funktioniere man mit allem, was man zur Verfügung habe. Aber es gebe auch einen Alltag und ruhigere Stunden, in denen man einfach genießen könne oder sich sogar langweile: „Ich bin ja kein Masochist.“

Einer Umfrage nach ist für eine Mehrheit der Deutschen der Klimaschutz das wichtigste Thema

Umwelt und Klimaschutz spielen für die Deutschen laut einer Umfrage eine besonderswichtige Rolle. 42 Prozent nannten den Klimaschutz als wichtigstes Thema bei der in der zweitenJahreshälfte anstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft, wie der "Spiegel" (Samstag) berichtet. Alsweitere wichtige Themen wurden Migration und Zuwanderung (27 Prozent), Digitalisierung (17 Prozent)sowie die Gleichstellung von Mann und Frau (11 Prozent) genannt.52 Prozent der Befragten erklärten, sie wünschten sich eine "sozial-ökologische Neuausrichtung derRegierungspolitik". 24 Prozent sprachen sich für einen liberal-konservativen Richtungswechsel aus. 16 Prozent finden, dass die Regierung ihren Kurs nicht verändern sollte. Das Marktforschungsunternehmen Kantar Public befragte den Angaben zufolge 1.053 Personen repräsentativ im Auftrag des Magazins.